Ghostwriting  - Formulierungskunst im Hintergrund

Es kommt nicht selten vor, dass ich bei der Berufsbezeichnung „Ghostwriter“ auf Ahnungslosigkeit stoße. Wenn ich gefragt werde, womit ich meine Brötchen verdiene, entsteht bei meiner Antwort ein Fragezeichen in so manchem Gesicht. 

"Ghostwriter? Hat das was mit Plagiat zu tun? Guttenberg?" - "Äh, nein."

Wer nicht gerade im akademischen Bereich tätig ist oder schon seit Langem keine Uni mehr von innen gesehen hat, hat selten mit Ghostwritern zu tun, obwohl dieser Beruf schon lange in unserer Gesellschaft etabliert ist. Zu seiner Unbekanntheit kommt auch noch der negative Klang des Begriffs „Ghostwriter“: Es klingt nach etwas Geheimnisvollen, Illegalen, geradezu Gespenstischen.

 

Was macht ein Ghostwriter?

Schon in der Antike hat es Ghostwriter gegeben, sogenannte Logografen, die Politikern, Historikern oder Philosophen unter die Arme gegriffen haben. Dies war der Fall, wenn ein neues Werk oder eine Rede verfasst werden sollte und derjenige Politiker, Historiker oder Philosoph weniger schriftlich begabt war.

Ein Ghostwriter, Geisterschreiber, Phantomschreiber oder Auftragsschreiber (schon viel besser), schreibt Texte im Namen eines anderen. Der Ghostwriter wird dabei in der Regel namentlich nicht erwähnt, weder als Autor noch als Urheber, bleibt also immer im Verborgenem. Ghostwriter werden für Texte jeder Art beauftragt, von politischen Reden bis Romanen, Ratgebern und akademischen Texten. Er arbeitet mit einem vorgegebenen Thema und Stichpunkten, die von seinem Auftraggeber hinterlegt werden, trotzdem besteht ein Großteil seiner Arbeit aus selbstständiger Recherche. Ein Ghostwriter kann selbstständig, über eine Agentur oder über einen Verlag arbeiten und ist in der Regel auf bestimmte Themen spezialisiert.   

Wer kann Ghostwriter werden?

Der Job des Ghostwriters ist in Deutschland gesetzlich leider nicht geschützt (unbegreiflicherweise), weshalb es keine offiziellen Voraussetzungen für die Ausübung gibt. Die Fähigkeit zum Auftragsschreiben wird daher letztendlich mit der Zufriedenheit der Kunden gemessen. Der Vorteil? Man braucht keine bestimmten Abschlüsse oder Berufsausbildung, um als Ghostwriter zu arbeiten. Wenn man schriftlich begabt ist, fehlerfrei schreibt und über sogenannte Formulierungskunst verfügt, kann man Ghostwriter werden. Im akademischen Bereich sind aber auch Fachwissen und Know-how wichtige Voraussetzung, denn die Analyse von Themen, Problemen und Lösungsvorschläge einer Facharbeit, können nicht ohne eine gewisse Bildung so einfach zu Papier gebracht werden. Deshalb arbeitet auch so mancher Student oder Studienabbrecher gerne als Ghostwriter. Diese Art von Ghostwriter stehen jedoch oft in der Kritik und bewegen sich in einer Art Grauzone zwischen Legalität und Illegalität.

Akademisches Ghostwriting – legal oder illegal?

Akademisches Ghostwriting beinhaltet die Anfertigung von Seminararbeiten, Doktorarbeiten und generell wissenschaftlichen Texten im Auftrag des Absolventen.

Hierbei ist vorab vom Plagiat zu unterscheiden: Als Plagiat bezeichnet man die Übernahme eines fremden Textes oder eines Teils davon, sowie Fotos, Filme oder Ähnliches, ohne die Quelle zu nennen und sie als sein Eigen ausgeben. Zu gut Deutsch: Abschreiben. Beim Beauftragen eines Ghostwriters schreibt man den Text zwar auch nicht selbst, aber man bekommt einen maßgeschneiderten Originaltext, der noch nirgends veröffentlicht wurde. 

In Deutschland kommt es mittlerweile immer häufiger vor, dass überforderte Studenten, die unter Zeitdruck stehen (oder zu viel Geld haben), für eine nicht allzu kleine Geldsumme, einen Ghostwriter beauftragen. Strafbar machen sie sich hierbei erst, wenn sie Versicherungen an Eides Statt vorlegen müssen, dass die Arbeit von ihnen selbst und ohne fremde Hilfe erstellt wurde. Versichert ein Doktorand, dass er seine Doktorarbeit selbst erstellt hat, obwohl ein Ghostwriter am Werk war, macht er sich gemäß § 156 StGB strafbar und dabei können bis zu drei Jahren Haft winken. Allerdings nur ihm und nicht dem Ghostwriter.

Demnach ist das Ghostwriting an sich völlig legal, die Übernahme des wissenschaftlichen Textes vonseiten des Auftraggebers und Nutzung im eigenen Namen kann jedoch illegal sein, je nach den gegebenen Umständen.

Darüber ob Ghostwriting in der Wissenschaft moralisch vertretbar ist, streiten sich die Geister. Akademischen Ghostwritern wird oft vorgeworfen, die Tendenz zur Hochstapelei und zu Plagiaten zu unterstützen, besonders durch den anonymen Kontakt zwischen Auftraggebern und Ghostwritern, was bei Ghostwriteragenturen der Fall ist. Zu Recht? Darüber lässt sich in der Tat streiten.

Bekannte Persönlichkeiten, die mit Ghostwritern gearbeitet haben

Viele Prominente, früher wie heute, haben bei der Verfassung ihrer Memoiren oder Bestsellerromanen die Hilfe von Ghostwritern beansprucht. Zu den erstaunlichsten Fällen von Ghostwriting gehören die zeitlosen Abenteuerromane „Der Graf von Monte Christo“ (1844) mit sage und schreibe achtzehn Bänden, sowie „Die drei Musketiere“ (1844) mit acht Bänden. Diese wurden nicht von Alexandre Dumas verfasst, der durch sie weltbekannt wurde und dessen Name unübersehbar auf dem Einband steht, sondern von Ghostwritern, unter anderem der ironischerweise erfolglose Schriftsteller Auguste Maquet.

Noch ironischer ist, dass die wenigen Romane, die Dumas vollkommen selbstständig geschrieben hat, diejenigen mit dem geringsten Erfolg waren.

Auch im 20. Und 21. Jahrhundert hat sich nicht viel geändert. Zu den Fällen unserer Zeit gehören zahlreiche, prominente Biografien, wie Dieter Bohlens „Nichts als die Wahrheit“ und „Hinter den Kulissen“, welche von der Journalistin Katja Kessler geschrieben wurden. Auch Supermodel Heidi Klum, oder Politiker wie Hillary Clinton und Thomas Müller haben Ghostwriter beauftragt, genauso wie unzählige Popstars bei der Verfassung ihrer Songtexte, wie unter anderem Elton John, Beyonce, Elvis Presley und Frank Sinatra.

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